Private Wetterstation Cottbus-Skadow
51°48'22'' N, 14°21'05'' E, Höhe ü.NN: 68,7 m


 

Graphik: Max-Planck-Institut für Meteorologie und Deutsches Klimarechenzentrum 2012

Wie sicher sind Aussagen über die Zukunft des Klimas?

Die Zeit ist knapp. Nur zehn Jahre bleiben, um die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Wenn die Menschheit verhindern will, dass die Erderhitzung aus dem Ruder läuft, müssen die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen bis 2030 halbiert werden [8]. Der wissenschaftliche Hintergrund solcher Aussagen ist die Existenz sogenannter Kipp-Punkte. Das bedeutet, dass das Klima Änderungen in den Rahmenbedingungen bis zu einem gewissen Grad toleriert bevor unumkehrbare Prozesse in Gang kommen, auch wenn die auslösende Ursache zurückgenommen wird. Kipp-Punkte gibt es zum Beispiel in Verbindung mit dem Abschmelzen der Polkappen oder dem Auftauen der Permafrostböden .

Aber können wir den Beginn eines solch apokalyptischen Szenarios auf das Jahr genau datieren? Einfache Antwort: Wir können es nicht. Denn das Klimasystem der Erde ist keine Dampfmaschine in einem Labor, die wir mit ein paar Knöpfen auf einem Schaltpult kontrollieren können. Die Komplexität des Systems bringt es mit sich, dass es nicht-linear auf Veränderungen reagiert. Es gibt viele Rückkopplungsmechanismen, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Das ist der Grund, warum auch ziemlich kleine Veränderungen wie die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre einen starken Einfluss haben können. Die Wissenschaft ist jedoch noch weit davon entfernt, den Zeitpunkt berechnen zu können, wann ein Systems kippt [9].

Klimawissenschaftler erhalten ihre Erkenntnisse über die zukünftigen klimatischen Bedingungen auf der Grundlage von Computersimulationen, deren Genauigkeit jedoch begrenzt ist. Der Grund dafür ist, dass sie sich auf Annahmen bestimmter Faktoren stützen, die zwar plausibel aber nicht beweisbar sind [10]. Klimamodelle spielen in diesem Rahmen eine entscheidende Rolle. Hier wird durch mathematische Gleichungen die Physik des terrestrischen Klimasystems und die Wechselwirkung der Untersysteme wie Hydrosphäre, Kryosphäre, Biosphäre und Atmosphäre nachgestellt. Es sind gerade diese Wechselwirkungen, die heute Gegenstand von zahlreichen Forschungsprojekten sind. Neue Erkenntnisse hier werden unweigerlich zur Anpassung der Klimamodelle führen und damit auch Einfluss auf die Ergebnisse der Berechnungen haben. Darüber hinaus muss eine Reihe von nicht-physikalischen und kaum zuverlässig vorhersagbaren Parametern wie demographische Entwicklung, technologischer Fortschritt und politische Veränderungen in den Simulationen berücksichtigt werden.

Was wir erhalten sind Wahrscheinlichkeitsaussagen über das, was sein kann. Das trifft auch auf die Wirksamkeit der Maßnahmen zu, die gegen den Klimawandel eingeleitet werden. Selbst wenn die Menschheit es schafft, ihre Kohlendioxidausstoß bis auf das angestrebte Niveau zu senken, liegt die Wahrscheinlichkeit, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, nur bei 50 %. [11]



Klimawandel Teil 1
Klimawandel Teil 3



Quellennachweis:

[8] Verena Kern, Frankfurter Rundschau, 26.09.2019: Vielleicht bleiben nur zehn Jahre zur Rettung des Planeten

[9] Hintergrundpapier des Bundesumweltamtes vom Juli 2008, Seite 19 ff,
Kipp-Punkte im Klimasystem-Welche Gefahren drohen?

[10] Martin Stratmann, Jochem Marotzke: Die Zukunft des Klimas, 2015

[11] Christian Mihatsch: Klimaneutralität kommt 2050 zwei Jahrzehnte zu spät, 17.08.2019,
www.klimareporter.de
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