Private Wetterstation Cottbus-Skadow
51°48'22'' N, 14°21'05'' E, Höhe ü.NN: 68,7 m

Graphik nach Schönwiese, 1995

 


Graphiken: Horst Malberg, 2013
 

Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas

Im Zeitalter des Klimawandels
von Dipl.-Met. Rolf Tautkus


"Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre!" Das waren die drastischen Worte von Greta Thunberg1 vor der Weltwirtschaftskonferenz in Davos im Januar 2019. Inzwischen ist sie zu einer Ikone der Klimaschutzbewegung geworden. Viele Menschen sehen heute den Klimaschutz als wichtigste Aufgabe der Politik2, geben grünen Parteien ihre Stimme und ihr Vertrauen. Die Bewegung ist so groß geworden, dass die meisten Parteien sie nicht ignorieren können. Sie bessern beim Klimaschutz nach, um so auf dem politischen Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Natürlicher oder anthropogener Klimawandel?

Nach dem heißen Sommer 2018 wurde der Begriff "Heißzeit" von der deutschen Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres gekürt. Fakt ist jedoch, dass wir uns noch immer in einer Eiszeit befinden, die als erdgeschichtliche Epoche definiert wird, in der mindestens einer der beiden Pole von einem permanenten Eisschild bedeckt ist3. Das heißt im Umkehrschluss, dass es Epochen auf der Erde gegeben hat, die wesentlich wärmer waren als heute und die die Bezeichnung "Heißzeit" wahrscheinlich mit deutlich größerer Berechtigung verdient hätten.

Unbestreitbar ist hingegen die globale Erwärmung, die seit Beginn der regelmäßigen Wetterbeobachtung im 19. Jahrhunderts registriert wird. Doch ist der Wechsel von wärmeren und kälteren Episoden sowohl in langen Zyklen als auch in kurzfristigen Abschnitten auf der Erde immer schon der Normalfall gewesen. Ein konstantes Klima hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben. Während die großen Eis- und Warmzeiten durch Veränderungen der Erdbahnparameter oder plattentektonische Vorgänge verursacht werden, sind die kürzeren Klimaschwankungen vermutlich auf Änderungen der Sonnenaktivität, Vulkanismus oder sich gegenseitig abschwächende und verstärkende Rückkopplungseffekte im Klimasystem selbst zurückzuführen. Diese natürlichen Antriebe für Klimaänderungen sind heute unverändert wirksam.

Als neuer Faktor ist seit Beginn der Industriellen Revolution die massenhafte Emission und Anreicherung von Kohlendioxid in der Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Energieträger hinzugetreten. Kohlendioxid ist ein mehratomiges Molekül, das von der Erde abgegebene Strahlung absorbieren und anschließend in alle Richtungen wieder abgeben kann, auch zurück in Richtung der Erdoberfläche. Dadurch wirkt es als Treibhausgas und kann zur Erhöhung der Temperatur an der Erdoberfläche beitragen. 

Seitdem man sich der Existenz des modernen Klimawandels bewusst ist,  gibt es die Diskussion, ob dieser denn nun durch den Menschen selbst verursacht ist oder etwa natürliche Ursachen hat. Jüngste Analysen zeigen, dass der in den letzten 60 Jahren gemessene Anstieg der globalen Temperatur nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,001 % ohne anthropogene Emissionen stattgefunden hätte4. Es wird dabei einerseits auf den Zusammenhang zwischen dem globalen Anstieg der Temperatur und des atmosphärischen Kohlendioxids, andererseits auf die rasante und flächendeckende Entwicklung der Erwärmung hingewiesen, die für die letzten 2000 Jahre beispiellos ist5.

Andere Wissenschaftler verweisen darauf, dass die CO2-Konzentration nicht alle Änderungen im Laufe der Klimaentwicklung erklären kann. Die erste Erholungsphase der Temperatur nach der Kleinen Eiszeit begann mit einem Schub bereits ab etwa 1700, ohne dass die menschlichen Emissionen von CO2 damals schon eine nennenswerte Rolle gespielt hätten6. Forscher konnten außerdem nachweisen, dass die Klimaänderungen in der Vergangenheit mit ähnlicher Geschwindigkeit abgelaufen sind wie heute, was häufig durch die Zeitskalierung verschleiert wird7. Und schließlich gibt es Arbeiten, in denen die Temperaturänderungen der vergangenen 300 Jahre recht gut mit der sich ändernden Sonnenaktivität korreliert werden konnte8.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Die gegenwärtigen Entwicklung des Klimas ist das Ergebnis der Überlagerung sowohl natürlicher als auch anthropogener Ursachen. Wie groß der Anteil des Mensch dabei wirklich ist, kann nur schwer abgeschätzt werden.


Klimawandel Teil 2



Quellennachweis:


[1] Greta Thunberg: Ich will dass ihr in Panik geratet. Meine Reden zum Klimaschutz, Fischerverlag, 2019

[2] ARD Deutschlandtrend vom 20.09.2019

[3] Hans Murawsk und Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch, 11. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, München 2004, ISBN 3-8274-1445-8 

[4] Philip Kokic, Steven Crimp, Mark Howden: A probabilistic analysis of human influence on recent record global mean temperature changes. In: Climate Risk Management 3, 2014, S. 1-12

[5] Raphael Neukom, Nathan Steiger, Juan José Gómez-Navarro, Jianghao Wang, Johannes P. Werner: No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. In: Nature 571, July 2019, p. 550-554.

[6] Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas, 2001, S. 66

[7] Kemp, D. B., K. Eichenseer, und W. Kiessling: Maximum rates of climate change are systematically underestimated in the geological record. Nature Communications, 2015

[8] Horst Malberg: Klimawandel seit der Kleinen Eiszeit - Die Wirkung der Sonne wurde unterschätzt, 2013



 
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